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by Julia Sparber : econova magazin - art edition, September 2009

Der Fotograf als Regisseur. Portraits und inszenierte Fotografie von Patrick Saringer

Der Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten, galt die Fotografie als Genre des realistischen Ausdrucks und sollte nichts mit darstellender Kunst zu tun haben. Heute kooperieren die verschiedenen Pole und sind als vollwertige Kunstform akzeptiert. Besonders die künstlerische Fotomontage, auch inszenierte Fotografie genannt, entwickelte sich zu einem der malenden Kunst gleichwertigen Kunstobjekt.

'Der Künstler erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.' Ein Zitat des Kunsttheoretikers Karl Pawek aus seinem Buch 'Das optische Zeitalter.'

Ein überdimensionales, blutrünstiges Bild im Wohnzimmer des Fotografen Patrick Saringer. Eine seiner Inszenierungen, auf die er besonders stolz ist. 'Mich beruhigt es', lacht er ironisch. Der Fotograf ist eigentlich Betriebswirt, assistierte während seines Studiums bei der bekannten Fotografin Elisabeth Handl in Wien. Diese Inspirationsquelle ließ ihn nicht mehr los. Er absolvierte die Befähigungsprüfung zum Fotografen und arbeitete im eigenen Studio. Im Laufe der Jahre spezialisierte er sich immer mehr auf Portraits und entwickelte seine Art der künstlerischen Fotografie.

Sein Werden
Das Genre des Portraits steht in der Entwicklung der Fotografie im Mittelpunkt. Patrick Saringer konzentrierte sich auch von Beginn seiner fotografischen Tätigkeit an www.patricksaringer.com auf die Abbildung des Menschen, die kein bloßes Festhalten von Gesichtern ist. Seine Menschenbilder sind differenzierte Aufnahmen, die jede Hautpore preisgeben und Einblicke in die Emotionen des Dargestellten eröffnen. Patrick Saringer setzt sich eingehend mit seinem zu fotografierenden Gegenüber, als auch mit sich selbst auseinander. Spielerische Reflexionen des fotografischen Abbildungsprozesses finden sich auch in seinen Selbstdarstellungen. Seine Annäherung ist daher eine Reflexion des Gesehenen, seine ganz persönliche Bildschöpfung.

Vom Buena Vista Social Club zu den Montanwerken
Menschen zu fotografieren implizieren interessante, menschliche Begegnungen. 2007 gastierte der weltberühmte Buena Vista Social Club in Innsbruck. Patrick Saringer hat die kubanischen Musiker abgelichtet und eine Serie in schwarz-weiß entstehen lassen, die seither auf seiner Website zu sehen ist. Ein weiteres Beispiel seiner seriellen Portraits ist das Projekt 'Workers', das als Dokumentation verstanden werden kann. Patrick Saringer zeigt die Arbeiter der Montanwerke in Brixlegg aus nächster Nähe. Das Projekt besteht aus Einzelportraits, dokumentiert aber auch die Erscheinungsvielfalt dieser kleinen Gruppe und folgt der Tradition August Sanders. Der 1964 in Köln verstorbene Fotograf und Künstler gilt als bedeutender Wegbereiter einer neuen Richtung des Mediums Fotografie, die heute unter der Bezeichnung der dokumentarisch sachlich-konzeptuellen Fotographie ihre Fortsetzung findet. 'Menschen des 20. Jahrhunderts'ist das umfassende Bildwerk von August Sander, das künstlerisch und soziologisch bedeutsam ist und den Tiroler Fotografen beeinflusst.

Inszenierung ist das halbe Bild
Unter Inszenierung versteht man das Einrichten und die öffentliche Zurschaustellung eines Werkes oder einer Sache. So avanciert eine Fotografie zur darstellenden Kunst. Die Entstehung wird zur Performance. 'Die Planung eines Bildes ist zumeist der größte Aufwand', so Patrick Saringer. Für sein Werk 'The end, the beginning and between' musste er ein großes Kreuz, einen Oldtimer und Militärmonturen organisieren. Ganz zu schweigen von den Darstellern, 'die auch offen für eine meiner Inszenierungen sein müssen.' Assistenten, die Requisiten und Accessoires in Szene setzen und eine Maskenbildnerin, die den Darstellern optischen Effekte und Reize verleiht, sind unerlässliche Mitgestalter. Weiters ist auch das Beherrschen der Photoshop-Werkzeuge ein wichtiger Aspekt der inszenierten Fotografie. In dem besagten Werk verpackt Patrick Saringer die Widersprüchlichkeit kirchlicher Dogmen. 'Jeder soll sich Gedanken machen und darüber reden!' Sein vorrangiger Appell an den Betrachter ist die grundsätzliche Bereitschaft, Ideologien und Dogmen zu hinterfragen. Patrick Saringer begibt sich mit dieser Arbeit freiwillig auf Glatteis, denn die Wirkung, die er mit 'The end, the beginning and between' erzielen will, ist unkalkulierbar. Er will bewusst mit Details polarisieren, jedoch entziehen sich seine inszenierten Fotografien eindeutiger Interpretationen. Der Fotograf spielt mit der Formensprache von

Seine Welt der Suggestion
Der Fokus in Patrick Saringers Werken liegt in dem Bemühen eine suggestive Wirkung zu erzielen. Jedoch soll die manipulative Beeinflussung einer Vorstellung oder Empfindung nicht bewusst wahrgenommen werden, sondern sich erst bei eingehender Betrachtung offenbaren. Sein Werk 'My dentist dream' wurde im Juni 2009 auf der Naked Tokyo gezeigt. Eine Gruppenausstellung internationaler Fotografen, die sich mit den Themen Gewalt und Exhibitionismus beschäftigt. Neben seinem Schwerpunkt auf Portrait- und Kunstfotografie arbeitet Patrick Saringer auch im Bereich der Werbefotografie. Zwei verschiedene Pole, die er gekonnt zu vereinen versucht. Selbst klassische Auftragsarbeiten werden bei ihm zu einer erzählenden Inszenierung, die Glamour auf Hochglanz repräsentiert. Das narrative Element zeigt sich vor allem in der Andeutung von Handlungen, die eine Assoziation einleiten sollen. Der Fotograf geht auf die Wünsche seiner Auftraggeber ein, macht aber stets Vorschläge, um Produkte durch seine Linse alternierend abzulichten. In Patrick Saringers Wohnzimmer türmen sich Kunstbände, die ihm wertvolle Begleiter sind. Seine Innovation in der Fotografie liegt im Anleihen holen, die er immer wieder neu umsetzt. Als 'Mittel zum Zweck' dient eine Mittelformat- Hasselblad: 'Eine gute Kamera. Doch diese allein macht noch kein Bild.' Patrick Saringer, im Hawaii-Hemd und mit Cuba- Kappe behütet, lacht sein blutrünstiges Bild im Wohn- zimmer an: 'Ich finde es spannend, was die Menschen in meinen Bildern sehen und welche Aspekte sie raus- nehmen.' Ihm gehe es um die Assoziationen: Jedes inszenierte Bild soll unbewusste und bewusste Gedanken verknüpfen und die Beziehungen zwischen Objekten und Menschen darstellen.